Ingeborg Drewitz - Gestern war Heute
Zusammenfassung des GK Deutsch F.Atzler

I. Geburt
II. Ich - was ist das?
III. Frieden auf Erden
IV. Aber wir müssen uns wehren
V. Wenn alles aufhört BIN ICH GANZ ALLEIN
VI. Sie weiß nicht, was das ist: Leben. Sie lebt.
VII. Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen
VIII. Bild von den Pfauen
IX. Ohren haben, die hören, Augen haben, die sehen
X. Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?
XI. Lebensfest
XII. Auf der Wetterkarte ein schöner Sommer
XIII. Soviel Lächeln auf blassem Fotopapier
XIV. Auf dem Schüttelrost Kapitel in Briefen
XV. Defizite
XVI. Weil Mann und Frau Fremd sind.
XVII. Wir haben geglaubt, es käme auf uns an
XVIII. Ausmessen, was bleibt.
XIX. Sich rechtfertigen - vor wem? Sich anklagen - vor wem?
XX. Als sähe sie in einen Spiegel

 

I. Geburt

Das erste Kapitel "Geburt" ist in 5 Teile gegliedert, in denen die Gedanken von 5 Personen der Familie enthalten sind. Das Kapitel liefert einen historischen und gesellschaftlichen Hintergrund der Familie und die Lebensverhältnisse und der Alltag der Großfamilie werden beschrieben.

1. Urgroßmutter:

Die Urgroßmutter, die die älteste Generation im Haus vertritt, erinnert sich an die Geburt von Susanne, ihrer Enkelin und an die Aufgaben, die sie damals zu erfüllen hatte (Wasser heiß machen...). Ihre Rolle in der Familie ist nun aber die eines Fremdkörpers, sie wird als unnützer Esser angesehen, ist der Familie eine Last. Inmitten der Feierlichkeiten spielt sie mit dem Gedanken, was passieren würde wenn sie sich anzündet. Nur dann erkennt sie, wäre sie wichtiger als das Kind.

2. Großvater Gustav:

Er ist in einem Nebenzimmer, da er "unnütz" bei der Geburt ist. Er erinnert sich an seine eigene Kindheit und Jugend: Er kam aus einer sozialistischen Familie wurde in der Schule diskriminiert, und hatte immer die Angst, nicht zu wissen wo man hingehört, was aus einem werden soll, zu was man nütze ist. Trotz allem wurde er etwas "besseres", stieg als Buchhalter ins Kleinbürgermilieu auf. Da er nie den Mut gehabt hatte, aufzubegehren, überträgt er alle seine Hoffnungen auf seine Tochter Susanne, will, daß sie etwas besseres wird.

3. Großmutter Alice/Lieschen:

Sie ist erschöpft von der täglichen Arbeit, die im Haushalt anfällt, und fragt sich, ob es richtig ist, immer nur zu sorgen und für andere dazusein, läßt aber am Ende keinen Zweifel an der Richtigkeit ihrer Rolle aufkommen. Sie umsorgt Susanne, denkt an alles.

4. Vater (Susannes Mann):

Vor der Geburt geht er rastlos in den Straßen auf und ab, da er nicht weiß wo er sich sonst aufhalten soll. Einerseits empfindet er Freude über die kommende Geburt seines Kindes, er malt sich aus, was er ihm zeigen und erzählen will über den Krieg, über andere Länder, über seine Kindheit. Andererseits merkt er, daß er auf viele Fragen und Gedanken keine Antwort weiß. Er hat Angst vor der Zukunft, vor den kommenden Verhältnissen während der Wirtschaftskrise, weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Er sorgt sich um Susanne, will nicht zu spät zur Geburt kommen und rennt nach Hause zurück.

5. Mutter Susanne:

Während den Wehen, kurz bevor das Kind auf die Welt kommt, erinnert sie sich an ihr Klavierspiel und ihre Empfindungen dabei, unterbrochen von Anweisungen der Hebamme. Nachdem Gabriele - nicht wie erwünscht ein Junge - geboren ist, fällt ihr in ihrer Erschöpfung Onkel Paul ein, ihr Symbol für Gerechtigkeit und Frieden, dem sie alles gern erzählen würde, der aber tot ist. Am Schluß bemerkt sie selbst eine Veränderung: "Du statt ich." Sie vollzieht den Schritt von der eigenen Karriere zur Mutter.

Hellmut Schürholz

II. Ich - was ist das?

1926

1.

An einem Sonntag planen die Eltern von Gabriele einen Spaziergang in den Grunewald. Dort findet der Vater einen abgebrochenen Kiefernzweig, den Gabriele mit nach Hause nimmt.

2.

Beim Abendbrot ist die Situation angespannt, und der Auslöser des Streits ist Gabriele, die ihr Essen auf den Tisch spuckt, und zur Strafe vorzeitig zu Bett gehen muss. Die Großeltern machen den Eltern Vorwürfe, dass sie weder für das Essen sorgen noch Gabriele richtig erziehen.

3.

Gabriele wird von den Geräuschen ihrer Eltern aufgeweckt, als die miteinander schlafen.
Danach hört sie mit an wie ihr Vater ihrer Mutter vorwirft, dass er von den Großeltern nur geduldet wird und als zusätzlicher Esser gilt.

4.

Am nächsten Morgen wird Gabriele von ihrer Mutter geweckt und nach dem Kiefernzweig gefragt, doch Gabriele antwortet nicht darauf.

Diana Hoffmann

III. Frieden auf Erden

1.

24. Dezember, Nachmittag, alle sind mit den Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt. Gabrieles Vater hält es daheim nicht mehr aus und geht spazieren. Er hat ist seit einem halben Jahr arbeitslos (hohe Inflation etc.) muß aber zusätzlich die 2. erst 3 Monate alte Tochter Ulrike ernähren. Er sieht sein Leben gescheitert, verliert sein Selbstwertgefühl, denkt an Selbstmord (will ins Wasser gehen, malt sich aus, was seine Familie dann tut).

2.

Großmutter bereitet das traditionelle Weihnachtsessen vor, Gänsebraten, obwohl sich die wirtschaftliche Situation der Familie so verschlechtert hat. (2. Enkelin, arbeitsloser Vater) Alle sitzen eng aufeinander, das führt zu Streit, auch auf politischer Ebene. Bruno kommt zu Besuch. Trotz mehrmaliger heftiger Aufforderung läßt sich der überzeugte Nazi nicht zum Gehen bewegen. Bruno will seinen Bruder auch von seiner Idee überzeugen.

3.

Susanne leidet sehr, besonders psychisch, unter der jetzigen Situation. Die finanzielle Lage macht es Susanne und ihrem Mann unmöglich sich eine eigene Wohnung zu suchen. Sie sieht ihr Leben, wie ihr Mann, als "sinnlos" an. Auch die seltenen Komplimente, die sie früher von ihm bekam, bleiben aus. Was zurückbleibt ist Frust. Ihr Leben ist von Pflichten und Verantwortung ausgefüllt, da ist kein Platz für die persönliche Entwicklung.

4.

Bruno hat offensichtlich keine Lust Heiligabend allein daheim zu verbringen. Deshalb ist er bei seinem Bruder. Er wird auch nur geduldet, weil er Vaters jüngster Bruder ist. Sonstige Gemeinsamkeiten z.B. politischer Art gibt es nicht. Bruno versucht immer noch hartnäckig seinen Bruder von seiner Meinung zu überzeugen. Er wird notgedrungen bei der Bescherung geduldet.

5.

Als Vater nach Hause kommt, sitzt seine alkoholsüchtige Mutter im Wohnzimmer, die bei der Familienfeier dabei sein will. Ihr Sohn geniert sich für ihr Auftreten. Trotzdem ist er stolz, daß sie sich äußerlich so gut gehalten hat. Ihre Grenzen werden vom Alkohol aufgelöst, sie bemerkt die Ablehnung der Familie. Deshalb will Sie die Festidylle zerstören und beschimpft ihren Sohn; die Situation eskaliert und endet indem er sie kurzerhand rauswirft. Vater merkt, daß die anderen auch ihm einen Teil der mißratenen Feier zuschreiben.

6.

Die Erwartungen der Kinder von Weihnachten werden durch die Auseinandersetzungen mit der Großmutter völlig enttäuscht und das Fest wird zum negativen Höhepunkt. Gabriele hat Angst sie lindert sie indem sie durchs Fenster schaut. Dennoch weiß sie, daß etwas unwiederbringlich kaputt ist. Sie wünscht sich, sich abzuschotten. Die Großmutter tröstet Gabi. Sie holt ihr Fotoalbum und zeigt ihr Fotos von Onkel Paul und ihrer Mutter. Die Großmutter erzählt stolz vom sozialen Aufstieg Pauls. Er studierte in London und Paris, lehrte in Sarbonne und behielt trotzdem ein Bewußtsein für die unmenschlichen sozialen Verhältnisse dieser Zeit. Für Gabriele wird der bald kränkelnde Sozialist zum Vorbild. Das Motiv von Petersburg zieht sich durch Gabrieles Leben hindurch, denn er hat den sozialen Aufstieg geschafft. Die Erzählung der Großmutter über den sozialistischen Traum gibt ihr Halt für ihr Leben. Leider hatte Paul nicht genug Zeit den Traum zu verwirklichen, so die Großmutter. Melanie Issle

IV. Aber wir müssen uns wehren

1933

Die Familie ist in eine eigene Wohnung nach Oberschöneweide umgezogen.
Gabriele stellt fest, daß sie ihr Verhalten in der neuen Umgebung anpassen muß, um nicht ausgelacht zu werden, um dazuzugehören. Trotz ihres Wunsches, wie die anderen zu sein, weigert sie sich aber, ein Nazi-Abzeichen anzustecken.
Nach Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 macht sich unter Mitschülern und Lehrern die Hoffnung breit, daß jetzt alles besser wird. Dem Vater, der immer noch arbeitslos ist, fällt zu Hause die Decke auf den Kopf. Er beneidet die Frauen, die immer eine Beschäftigung haben, die nicht nach dem Sinn ihrer Existenz fragen müssen.
In der Zeitung hat er vom Reichstagsbrand gelesen. Er weiß, daß die SA den Brand gelegt hat, nicht die Kommunisten, wie es in den Zeitungen steht. Er weiß auch, daß die Nazis damit den Kommunisten schaden wollen, um selbst die Wahlen zu gewinnen.
Es zeichnet sich ab, daß Parteigenossen (PG) und SA-Leute bei der Arbeitsvermittlung bevorzugt werden, weshalb er sich entschließt, selbst in die Partei einzutreten.
Susanne ist gegen seinen Eintritt in die Partei, weil auch sie weiß, was die Nazis vorhaben, aber sie kann ihren Mann nicht davon abhalten. Das Argument, wieder Arbeit zu bekommen, wiegt einfach zu schwer. Gabriele erzählt von Ruth, einer jüdischen Klassenkameradin, die in der Schule zum Außenseiter geworden ist. Daraufhin versucht Susanne, Gabriele zu erklären, daß man Mut zur Wahrheit und Kraft zum Alleinsein braucht und daß man nie etwas tun sollte, von dem man nicht überzeugt ist. Aber Susanne weiß, daß ein Kind mit solchen Sätzen nichts anfangen kann, und ermahnt Gabriele deshalb nur, nie wieder abfällig über Juden zu sprechen.
Am Abend geht Gabriele für die Mutter einkaufen und gerät unterwegs in eine Menschenmenge, die einen Aufmarsch der SA beobachtet und kommentiert. Gabriele läßt die Zeremonie voller Unbehagen über sich ergehen.

Felix Dollinger

VI. Sie weiß nicht, was das ist: Leben. Sie lebt.

1938

1.

Die Englischlehrerin lädt Gabriele in eine Wohnung in Neukölln ein. 20 Leute treffen sich dort. Die Lehrerin hält eine kurze Andacht. G. fühlt sich nicht zugehörig, weil sie denkt, nicht fromm zu sein. Sie plant nicht wieder zu kommen. Sie stellt fest, dass sie nirgendwo hingehört, im Gegensatz zu ihren anderen Familienmitgliedern.
Eine Frau neben ihr sagt, dass es wichtig sei, dass junge Leute wie G. mitmachen, denn "was jetzt in Deutschland geschieht, kann ja nie wieder gutgemacht werden". (vor dem Krieg!! Anm. d. Redaktion)
Die Englischlehrerin gibt G. zwei Adressen, bevor sie ja oder nein sagen kann, Adressen von Leuten, die Kleidung brauchen. G. ist sich nicht sicher, ob sie mitmachen soll und weicht aus auf die Frage, ob sie wieder kommt. Die Lehrerin lädt sie aber nochmals ein.

2.

Ein junger Mann aus dem Kreis der 20 in der Wohnung läuft mit bzw. hinter ihr auf dem Weg zur S- Bahn. Er hält Abstand, weil er merkt, dass sie Abstand will. Sie hat plötzlich Interesse an ihm, bzw. warum er in der Wohnung dabei ist, fragt aber nichts.
Der Mann steigt mit ihr aus und bleibt die ganze Zeit neben ihr, ohne dass sie ein Wort miteinander reden. Er bringt sie bis vor die Haustür, erst hier fragt er, ob sie wiederkommt. Sie bejaht.

3.

Sie hat sich verliebt, begrüßt nicht mal ihre Eltern, sondern geht gleich auf ihr Zimmer und sofort ins Bett. Sie hat Tagträume, denkt auch an ihren Alltag in der Stadt. Irgendwann steht sie auf und lässt sich eine Badewanne ein.

4.

Am nächsten Morgen ist sie vor sieben Uhr wach, muss über Gott nachdenken, und dass er eine Erfindung ist. Sie fragt sich, wer sie wäre, wenn Hitler Gott sein könnte. Später steht sie neben der Mutter und kann nicht über den vorigen Abend sprechen, sie kann sich nicht öffnen. Es ist unwichtig sich mitzuteilen, weil morgens keine Zeit zu verlieren ist. Sie sieht zum ersten Mal, wie erschlafft das Gesicht der Mutter ist.

5.

Sie bekommt von der Lehrerin Kontaktadressen von Leuten, die sie nachmittags aufsucht. Zum ersten Mal fühlt sie sich schuldig, weil ihre Mutter sich so für die Familie aufopfert.
Sie besucht eine Frau mit drei kleinen Kindern, deren Mann wegen KPD- Anhängerschaft von der Arbeit "weggeholt" wurde. G. bekommt von dem Kleinsten ein gemaltes Bild von dessen Vater ohne Hände und Arme geschenkt. Die Familie bringt sie zum Bahnhof.
Der Kleinste fragt, ob sie wiederkommt.

6.

Sie weiß nicht, was das ist, Leben, sie lebt.

7.

Als sie spät nach Hause kommt, sind die Eltern wütend, weil sie sich so lange rumtreibt. G. wird sauer und geht in die Küche. Am Tisch schaut sie sich das Bild des Kleinen an, weil sie nicht ins Zimmer gehen und sich entschuldigen kann. Sie kann nicht mal mit ihren Eltern über ihre Hilfsaktion reden.
Zum ersten Mal denkt sie über Ehe nach.

Manuel Kiuntke

VII. Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen

Juni 1940

Sieg über Frankreich. Das ganze Land befindet sich im nationalen Taumel, mit Ausnahme derer, die sich verstecken müssen. Repressionen gegen die Juden werden verschärft. Widerspruch gibt es in diesen Tagen nicht, alle, aber auch alle huldigen dem Regime. Gabriele und ihr Freund fahren hinaus ins Grüne zum Baden. Er erzählt vom Tod seiner Schwester und von der Arbeit seines Vaters bei der UFA. Sie schlafen miteinander. Er bittet sie, mit niemandem über seinen Vater zu reden. Auf der Rückfahrt wieder Menschen im Siegestaumel.
Zurück zu Hause erfährt Gabriele, daß ihr Vater von der Polizei abgeholt wurde, weil er sich geweigert hatte zu flaggen. Die Mutter ist verzweifelt, Gabriele schlüpft aus ihrer Tochterrolle und kümmert sich um ihre Mutter, spendet ihr Trost.
Der Vater kehrt zurück, berichtet über Mißhandlungen und seinen Ausschluß aus der Partei. Er ist über das System und sich selbst verbittert. Die Mutter versucht, ihn zu beschwichtigen, schwimmt mit dem Strom. Der Vater wirft Gabriele vor, nichts zum Unterhalt der Familie beizutragen, nachdem sie ihn aufgefordert hat, sich nicht aufrührerisch zu geben.

Jens Wirth

VIII. Bild von den Pfauen

1.

Gabrieles Bild von den "Pfauen" (tänzelnd, geduldig, ungeduldig, ...) wird durch die Nachrichten aus Stalingrad und die Erlasse des Reichsministeriums für Landwirtschaft gegen Juden (Juden steht kein Fleisch mehr zu etc.) verwischt. Von der "Endlösung der Judenfrage" erfährt Gabrieles Gruppe durch einen Eisenbahner, der sich selbst verwundet hat, um an den Transporten nicht mehr teilnehmen zu müssen. Dieser erzählt von Konzentrationslagern, Gaskammern und Krematorien. Weil sie nicht wissen ob er ein Spitzel ist, wechseln sie nach dem Gespräch den Treffpunkt. Es folgt eine Schilderung, wie Gabriele bei ihren "Versorgungsgänge" für Juden vorgeht und was sie macht, wenn diese nicht mehr dort wohnen. Weiterhin erfährt man, daß die Familie wieder nach Moabit gezogen ist.

2.

Gabriele hat die belanglosen Feldpostbriefe durchgeblättert, die nichts besagen dürfen und denkt daran, daß es viele Mädchen in ihrem Alter gibt, die auf Post vom "Feld" warten und dann vom Tod erfahren. Weiterhin finden sich im 4. Kriegsjahr immer noch Leute, die Verstecke anzeigen und noch immer glaubt keiner an die Massenhinrichtungen. Sie arbeitet in einer Fabrik, die Meßinstrumente montiert und justiert. Gabriele fragt sich warum, sie nicht aufgibt.

3.

Hier wird Gabrieles Arbeitsalltag in der Fabrik beschrieben. Sie arbeitet hauptsächlich mit Frauen und alten Männern (die jungen Männer sind im Krieg) zusammen. Aus Angst vor Sabotage erlaubt der Werksmeister ihnen nicht etwas an den Arbeitsplatz mitzunehmen.

4.

Die Zeit zwischen Fabrikschluß und Universität verbringt Gabriele mit "durch die Stadt schlendern". Sie studiert Philosophie und Geschichte und beobachtet, daß in den Hörsälen nur Mädchen und Kriegsblinde sitzen. Sie ist gerne in der Uni, da hier der Krieg nicht das alles beherrschende Thema ist. Ein Kriegsblinder sagt ihr, daß er Mensch bleiben wolle. Als sie dies ihrem Vater erzählt, sagt dieser nur, der Kriegsblinde hätte sich ja bevor er zum Krüppel geschossen wurde überlegen können, daß er etwas gegen Hitler tun müsse. Gabriele antwortet er hätte ja auch nichts getan. Darauf meint ihr Vater dann er hätte ja auch für die Familie sorgen müssen.

5.

Nachdem sie monatelang keine Post mehr von ihrem Verehrer bekommen hat, erfährt sie durch einen Brief von den Eltern ihres "Verehrers", daß dieser wahrscheinlich tot ist (er kehrte von einem Spähtrupp an der Ostfront nicht zurück).

Georg Buss

IX. Ohren haben, die hören, Augen haben, die sehen

Es ist 1943 und G. reflektiert die letzten Kriegsnachrichten, so z.B. die Goebbelsrede, der Aufstand im Warschauer Ghetto, Italiens Kriegserklärung, vom Luftkrieg über Deutschland usw. - ihre Augen und Ohren können es nicht mehr fassen.
U. soll nach Pommern, da die Schule dorthin ausgelagert wird. Auf dem Bahnsteig des Stettiner Bahnhofes sind weinende Mütter, ängstliche Kinder und uniformierte Helferinnen versammelt.
Zuhause bekommt G.s Familie die Folgen des Krieges- Hunger, Elend, Armut und Erschöpfung- deutlich zu spüren.
Bei einem der geheimen Treffen berichtet die graue Lehrerin von weiteren Verhaftungen und Todesurteilen und spricht ein Gebet über das Unrecht zu Töten, wenn es sich nicht um Verbrecher oder Feinde im Krieg handle, ein Gebet, mit dem sie das Nazi-Regime verurteilt.
Die Lehrerin hält alle Christen für mitschuldig an der Missachtung der heiligen Gebote woraufhin G. sich die Frage stellt: "Bin ich Christ?"
G. hört Berichte von Bonhoeffers vergeblichen Friedensverhandlungen in Schweden.
Sie beginnt, die Programme der Parteien der Weimarer Republik zu studieren, eine gewagte Arbeit, doch sie erhält die Erlaubnis ihres Professors, welcher jedoch zur Vorsicht rät.
Bei einem Fliegeralarm will G. zwei ihrer Schützlinge, die nicht in einen Luftschutzkeller dürfen, helfen, daher rennt sie durch die brennende Stadt, obwohl der Aufenthalt auf der Strasse während einem Alarm verboten ist.
Später trifft sie ihre Familie im Luftschutzkeller ihres Hauses, wo ihr Vater seinem Zorn über das Regime freien Lauf lässt und sich somit in Gefahr bringt, angezeigt zu werden.
Nach der Entwarnung gehen die Leute nach Hause, nur G. bleibt noch, um den Luftschutzwart zu bitten, ihren Vater nicht anzuzeigen.
Am nächsten Tag werden die zwei nächsten großen Angriffe auf das rauchende brennende Berlin geflogen.

Bianca Gleich

X. Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Das Kapitel ist unterteilt in sieben Abschnitte.Das übergeordnete Thema dieses Kapitels, ist die Schilderung des Kriegsendes und der Nachkriegszeit anhand von Einzelschicksalen.

1.

Das Kapitel wird durch einen Überblick über die historischen Ereignisse zu Beginn des Jahres 1945 eingeleitet. Danach wird kurz erläutert, was die Personen aus Gabrieles Bekanntenkreis von 1944 bis zu diesem Zeitpunkt erlebt haben.

2.

Ihr Professor lädt sie zu sich nach Hause ein, um mit ihr über ihre Arbeit zu sprechen. Obwohl er diese Arbeit für sehr gut hält, kann er sie nicht bewerten, da sie eine "Zersetzung der Kampfmoral" darstellt und ihn selber in eine mißliche Lage bringen kann. Im Laufe des Gespräches fragt er Gabriele nach ihren Zukunftsplänen. Ihr wird bewußt, daß sie nach alldem, was vorgefallen ist, kein optimistisches Zukunftsbild hat. Jedoch hat sie einen Traum, von einem Neuanfang - ohne Vergangenheit. Der Professor fordert Gabriele auf, ebenso wie er nach Westen zu fliehen. Sie kann jedoch nicht nur an sich denken und ihre Familie in Berlin zurücklassen, auch zweifelt sie, ob man nach allem, was passiert ist, überhaupt noch das Recht hat nur an sich zu denken. 3. Ulrike kehrt endlich wieder nach Hause zurück. Kurz darauf bricht das Kriegsgeschehen über Berlin herein. Die Not der Menschen verschlimmert sich.

4.

Nachdem die Russen Berlin besetzt haben und Berlin kapituliert hat, werden Hausdurchsuchungen durchgeführt. Die Mutter versteckt Gabriele und Ulrike, jedoch wird sie gezwungen für die Russen Klavier zu spielen. Während sich die soziale Lage der Bewohner Berlins verschlimmert, genießen die Russen ihr Leben als Besatzer und feiern wilde Feste.

5.

Kurz nach Ende des Krieges stirbt die Urgroßmutter völlig unerwartet an Altersschwäche. Dies bringt Gabriele dazu wieder an die Zeit zu denken, als die Alte ihr von Paul erzählt hatte.

6.

Der Vater zieht los um nach der Transformatorenfabrik zu sehen - der einzige Platz, an dem er sich wichtig vorkam, hier wurde er gebraucht. Von diesem Ausflug kehrt er abends nicht zurück.

7.

Erst am nachsten Abend kehrt er wieder heim. Er war wegen unerlaubten Betretens des ehemaligen Fabrikgeländes verhaftet worden. Daraufhin wurde er nicht nach Osten zum Wiederaufbau verschleppt, sondern wegen seiner Tuberkulose nur über Nacht eingesperrt und dann wieder laufen gelassen. Dies stürzt ihn in eine weitere Identitätskrise, weil er sogar dafür nicht taugt, obwohl die Russen, wie er vorher gehört hatte, jeden mitnehmen. Aus dieser Stimmung heraus äußert er, daß er nicht an die Verwirklichung von Gabrieles Traum vom Neuanfang denkt. Dies hat eine Kurzschlußreaktion bei Gabriele zur Folge - sie schlägt ihren Vater. Die Eltern sind für Gabriele und Ulrike "zwei Fremde".

Aus dem Arbeitstagebuch

Es wird weiterhin über das Elend in der Nachkriegszeit berichtet. Ein Erlebnis, wie Gabriele und ihr Vater zu Verwandten aufs Land gehen, um von denen Lebensmittel zu holen, wird geschildert. Weiterhin wird die Unfähigkeit des Vater durch die Geschichte mit dem Leiterwagen und der Klosettbrille gezeigt (-> Farbe blättert ab und Wagen ist unbrauchbar, S.161). Gabriele sucht nach Arbeit, jedoch bekommt sie nur in einer Arbeitskolonne eine Anstellung. (Als Lehrerin will man sie nicht anstellen, da sie kein Diplom und keine eigene Familie zum ernähren hat, bei den Amerikanern will man sie wegen ihrer Tuberkulose nicht .) Die Mutter meldet ihre Tochter dann bei einer Wahrsagerin an, damit Gabriele erfahren kann, was aus ihrem Freund geworden ist. (Preis: 4 Tage Kolonnenarbeit) Nach der Genesung des Vaters erhält er eine Anstellung auf dem Kohlenplatz der Briten.
Gabriele spürt, daß etwas neues angefangen hat, jedoch kann sie nicht sagen was, da sie an sich selber keine Veränderung sieht. Sie sucht nach ihrer Identität.

Gesa Blönnigen

XI. Lebensfest

Im 11. Kapitel werden die beiden Nachkriegsjahre 1946/1947 aus der Sicht von Gabriele beschrieben.
Die im Sommer 1945 neben CDU und LDP zugelassenen Parteien SPD und KPD schließen sich im April 1946 zur KPD zusammen. Noch gelten die Weisungen der Potsdamer Erklärung, die die demokratische Umgestaltung und friedliche Mitarbeit Deutschlands am internationalen Leben vorsehen. Es ist die Zeit der Neuanfänge und Erwartungen. In Berlin sind die Trümmer weggeräumt, die Versorgung ist noch nicht ausreichend, der Schwarzhandel blüht, auf den Müllhalden der Besatzer suchen die Menschen nach brauchbaren Möbeln, Haushaltsgeräten, Geschirr, etc..
Gabriele realisiert, dass sie jung ist und noch viel Zeit vor sich hat, Lebenszeit. Im Krieg dachte man nur an den nächsten Tag oder die nächsten Stunden und Minuten, jetzt denkt sie an ihre Zukunft, sie denkt über den Sinn des Lebens nach. Gabriele hat den Wunsch etwas zu verändern und anderen Gutes zu tun. Sie macht die Buchführung auf einem Bauplatz und kauft von ihrem Gehalt jeden Monat 500g Butter für die Familie. Sie gründet gemeinsam mit einem beinamputierten Buchhändler, einem Mann der bei der Flak war, einem Fahrer bei den Amis, einem Chemiker und einer auszubildenden Lehrerin eine Zeitschrift. Im Winter ist die erste Ausgabe satzfertig, nur die Lizenz fehlt noch.
Der Winter ist sehr hart, die Menschen haben zu wenig Brennmaterial, um ihre Wohnungen ausreichend zu heizen. Viele Säuglinge, alte und kranke Menschen erfrieren. Auch Gabrieles Großmutter stirbt. Bei Gabriele machen sich ein wenig Müdigkeit und Verzweiflung breit. Sie will die Taubheit und Verletzlichkeit des Fühlens, den Tod und die Erwartung, und das ICH begreifen. In diesem Winter lernt Gabriele Ich sagen, Ich denken. Sie will nicht werden wie ihr Vater und ihre Mutter.
Im Frühjahr wird die Lizenz für die Monatszeitschrift erteilt, die Papierlieferung ist ebenfalls zugesagt. Gabriele und die anderen Mitarbeiter der Zeitschrift feiern ein Fest, das Lebensfest. Sie erfahren jedoch auch, dass Ruth, die Lehreranwärterin, abgeholt worden ist. Daraufhin besuchen sie deren Mutter und schreiben einen Brief an die Alliierte Kommandantur. Gabriele fragt sich, ob Ruth wegen der Zeitschrift verhaftet worden ist.

Heiko De Coninck

XII. Auf der Wetterkarte ein schöner Sommer

1.

Gabriele bekommt von ihrer Mutter deren Hochzeitskleid. Die Mutter ist fröhlich, träumt und erzählt von den "guten alten Zeiten", als sie noch jung war und der Vater nicht so war. Gabriele ist in einer ganz anderen seelischen Verfassung. Ihr schießen Tränen in die Augen, denn sie hat Angst vor dem, was sie vor sich hat. Sie bekommt schon vor der Hochzeit Zweifel, ob diese denn das Richtige sei. Sie hat Angst in dasselbe Eheleben wie ihre Mutter, Groß- und Urgroßmutter zu geraten. Ein (Ehe-)Leben ohne wirkliche Geborgenheit. Sie hat Angst davor, daß ihre Individualität - ICH - verlorengeht. Sie wird das Kleid der Mutter tragen, obwohl es ihr nicht gefällt.

2.

Hochzeitsvorkehrungen werden getroffen. Die Hochzeitsanzeigen werden gedruckt und verschickt. Gabriele bekommt ihre zukünftige Wohnung zu Gesicht. Nachdem ihr zukünftiger Schwiegervater ihr ein Fotoalbum gezeigt hat, zeigt er ihr ausgiebig den Haushalt, sie wird sogar gleich eingebunden und fragt worauf sie sich denn da einlasse (S.190 Z.20).

3.

Gabriele und Jörg heiraten standesamtlich. Zur Hochzeitsfeier zu Hause bei Gabriele kommen viele Gratulanten. Es gibt gutes Essen, aufgesparten Krisensekt und sie feiern bis es schon fast wieder hell ist. Auf einem Fußmarsch in ihre gemeinsame Wohnung nach Westend folgt die "Hochzeitsnacht". Gabriele fühlt sich nicht sehr wohl dabei, "weil nun alles so endgültig ist" (S.192 Z.27).

4.

Es gibt viele Neuerungen in Gabrieles Leben. Sie muß den ganzen Haushalt organisieren. Jörg und sie träumen von der Zukunft "das Wörterspiel mit den Wenns" (S.193 Z.33).

5.

Die zweite Nummer der Zeitschrift soll erscheinen. Alle sind euphorisch, nur Jörg traut der Euphorie nicht. West-Berlin ist isoliert - es ist eine harte Zeit. Gabriele merkt im Juli, daß sie schwanger ist.
Die Zeitschrift wird ausgeliefert, findet aber kaum Käufer. Gabriele erschrickt, als sie merkt, daß sie Jörg gegenüber Haßgefühle entwickelt.

Johannes Hennicke

XIII. Soviel Lächeln auf blassem Fotopapier

1949/1951

1.

Gabriele liegt im Kreißsaal, sie bekommt ihr erstes Kind, Renate. Während der letzten Wehen macht sie sich Gedanken über ihr Leben, über Jörg, von dem sie fast nichts weiß, über ihren Vater, über ihre Mutter, über Gisela, die ihr eine Karte geschrieben hat, über Ruth, die abgeholt worden ist und über Johannes, der verhaftet wurde.

2.

Ihr wird klar, dass sie jetzt eine Rolle lernt: "dass ich nicht BIN, um zu sein, sondern um zu sorgen" (S.201 oben). Im Laufe des Abschnitts denkt sie über die Rolle nach. Darüber dass sich eigentlich an all dem, was sie in 1. dachte nichts geändert hat, dass sie von Abschied und Flucht träumt, dass sie noch Zeitungen und Bücher liest und dass an Weihnachten immer auf dem Gruppenfoto alle lächeln (Kapitelüberschrift). Sie zweifelt daran, dass sie die Rolle durchhält. Sie stellt fest, dass sie wieder schwanger ist.

3.

Gabriele denkt über die Beziehung zwischen ihr und Jörg nach. Sie hat das Gefühl ihn zwar zu erkennen, ihn aber nicht wirklich zu kennen. Sie fühlt sich erniedrigt. Sie würde sich gerne auflehnen.

4.

Gabriele bekommt von Johannes eine Einladung zum Zimmertheater, sie ist aber kurz vor der Entbindung. Die Aufführung wird von der Polizei abgebrochen (Brecht).

5.

Alltagsszenen

6.

Gabrieles Mutter ist an Lungenentzündung gestorben. Sie versucht sich genau an sie zu erinnern, was ihr aber nicht gelingt. Auf den Fotos, die sie anschaut, sieht sie eine Frau, die sie so nicht kennt (Liebespaar, Mädchen an Säule gelehnt,...). Sie hätte gerne ein Foto, auf dem sie so drauf ist, wie sie sie gekannt hat (z.B. in der Küche oder beim Anstehen für Kartoffeln). Der Schmerz lähmt sie.
Ulrike will weg aus Berlin (versteht nicht wie Susanne es mit ihrem Mann ausgehalten hat).

7.

Ulrike wird nach Göttingen ziehen, es ist ihr egal, was aus ihrem Vater wird. Auch Gabriele würde gerne raus aus ihrer jetzigen Situation (sie hat "Todesphantasien"), sagt aber nichts.

8.

Ulrike ist auf ihrem Weg nach Göttingen verunglückt und liegt im Krankenhaus. Ihr Vater geht sie besuchen.

9.

Gabrieles Vater will Ulrike zurücktransportieren lassen. Außerdem muss das kaputte Auto bezahlt werden. Da er nicht genug Westgeld hat, bittet er den Schwiegervater um Hilfe.

Aus dem Arbeitstagebuch (S.218 - 225)

Ulrike wurde nach Berlin transportiert. Gabriele schämt sich für die dreckige Wohnung des Vaters. Gabriele schreibt dem Professor. Jörg ist jetzt im Betriebsrat und stolz auf das, was sie alles gemeinsam schaffen, ein Wir-Gefühl, auf das Gabriele neidisch ist.
Renate kommt in den Kindergarten. Postkarte von Johannes aus Leipzig.
In Ostberlin kommt es zum Aufstand, bei dem viele fliehen. Gabriele besucht Ruths Mutter im Osten, wobei sie erfährt, dass diese jetzt in einem Kabelwerk arbeitet und Ruth 25 Jahre Gefängnis erhalten hat.
Sie bekommen Besuch von Verwandten, die ins Lager Mariendorf gehen, da es nicht mal mehr Saatkartoffeln gibt.
Ulrike zieht nach Göttingen. Gabriele fragt sich: "Wer bin ICH?", wirft aber letztlich doch die gesammelten Schlaftabletten ins Klosett.

Daniela Oelke

XIV. Auf dem Schüttelrost Kapitel in Briefen

1954 - 57

Gabriele siedelt im November '54 zu Gisela über. Sie flüchtet vor Jörg. Sie beginnt dort wieder zu studieren.
Cornelia geht dort in den Kindergarten und Renate wird eingeschult.
Im Juli '55 heiratet Ulrike. Aufgrund einer Auseinandersetzung (oder ähnliches) zieht von Gisela weg.
Im Oktober siedelt sie nach Oktober über und übernimmt dort eine Stellung bei einer Speditionsfirma.
Im November '55 kommt Jörg sie zum erstenmal besuchen, anschließend verbringen die Kinder Weihnachten bei Jörg und sie bei ihrem Vater, der inzwischen eine Geliebte hat. In dieser Zeit trifft sie sich mit Johannes und Ruth, die aus dem Gefängnis entlassen wurde und ein Fernstudium begonnen hat.
Im April '56 zieht sie nach Göttingen um, Cornelia wird dort eingeschult. Sie beendet ihr Studium mit bestandener Prüfung, und da sie jetzt nicht mehr weiter studieren will, schreibt sie Bewerbungen.
Im Juli wird sie nach einem Gartenfest vergewaltigt, zu dem Jörg eigentlich kommen wollte.
Im August unterschreibt sie einen Vertrag mit dem Hessischen Rundfunk in Frankfurt und zieht somit erneut um. An Weihnachten kommt Jörg zu Besuch und sie verbringen eine schöne Woche zusammen. Deswegen wird sie auch wieder schwanger, was sie Jörg zu Beginn verheimlicht und es am Anfang abtreiben will, sich aber mit der Zeit auf das neue Kind freut. Als Jörg dann doch von der Schwangerschaft erfährt schickt er ihr Blumen, er freut sich also ebenfalls.
In ihrem Beruf kommt sie gut voran, ihre Sendereihen werden erfolgreich angenommen und sie wird von den meisten Kollegen geschätzt und bewundert, was auf dem Künstlerfasching, auf welchen sie eingeladen ist, durch viele Komplimente zum Ausdruck kommt.
Im Mai '57 stirbt Cornelia bei einem Schulunfall. Kurz darauf siedelt sie wieder nach Berlin über.
Sie schreibt Jörg über die fast 3 Jahre hinweg ungefähr 30 Briefe in denen sie ihm vieles vorwirft, vor allem aber seine Schweigsamkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der Vergangenheit.
Sie war vor allem in Frankfurt zeitweise wohl sehr glücklich. Doch da Jörg weder zu ihr ziehen wollte (mit dem Vorwand, seinem Vater so etwas nicht noch zumuten zu können) noch sie wieder zurück nach Berlin wollte war in dieser Beziehung noch keine Lösung in Sicht gewesen, bis zu dem Unglück mit Cornelia.

Helene Pfeiffer

XV. Defizite

Gabriele kommt mit dem Baby (Claudia) nach Hause in die neue Wohnung, die daraufhin von Jörg und G. renoviert wird. Nach Jörgs Meinung sind die beiden damit am Ziel, G. wehrt sich gegen diese Ansicht, erzählt Renate die Geschichte vom Blutsonntag (S.264/265) und zweifelt gleichzeitig, ob sie das Recht hat, Jörg zu widersprechen. Der Vogel-Opa verbleibt in der alten Wohnung, um für "seine" Vögel zu sorgen. Renate hadert mit ihrem ICH.
Weihnachtsfeier in der Schule als schmerzhaftes Erlebnis für G., die seit dem Tode Cornelias zum ersten Mal wieder ein Schulgebäude betritt. Nachdenken G. über Renate, in deren Schulzeugnis steht: Viel zu ernst. (Verbindung zu Tod Cornelias und Problemen der Eltern)

Freude über das Leben mit dem Baby, Freude über erfüllte Sexualität trotz allen seelischen Schmerzes. Gespräch mit Renate über sie und Cornelia. Wirrwarr von positiven und negativen Erinnerungen. Politisches Geschehen: Hiroshima, atomare Bewaffnung der Bundeswehr.

Streit mit Jörg um beider Lebensgestaltung. Hinterher gemeinsames Schnapstrinken. Keine Versöhnung.
Alltagsbeschreibung zwischen Haushalt, Kindern und Arbeit: Aufreibende Routine und ständiger Druck. Kurzer Urlaub mit der Familie: G. entdeckt, dass sie den Tod Cornelias verarbeitet hat.
Weiterhin die Einschränkung des Lebens auf die Familie. G. leidet unter Jörgs anscheinender Teilnahmslosigkeit, seiner Beschränkung ihrer zwischenmenschlichen Kontakte auf ihre gemeinsamen Nächte, wehrt sich aber nicht.
Besuch der ganzen Familie bei Ruth, gleichzeitig Treffen mit Johannes, Gespräche über Deutschland in beklemmender Atmosphäre.
Streit mit Jörg um ein eigenes Konto, um Geld und ihre Entscheidung für Claudia.
Vorweihnachtszeit. Politisches Geschehen: Chruschtschows Berlin-Ultimatum.

Wachsende Initiative Gs.: Sie nimmt macht wieder Interviews, Reportagen, nimmt das Baby mit. Kauf eines Autos: Planen eines Schwedenurlaubes.
Kritik von der Redaktion an Gs. angeblich zu links gerichteten Berichten, Kritik von der Schule an Renate. Renate kommt in die Oberschule.
Zwang zur Rechtfertigung ihres Berufes vor Jörg. G. will keinen Urlaub machen, sondern recherchieren, Jörg geht alleine an die Nordsee. Gs. mit Ruth, die aus moralischer Überzeugung im Ostteil bleibt. Treffen mit Johannes, letzter Spaziergang mit den Kindern durch Ostberlin. Politisches Geschehen: Teilung Berlins, Mauerbau. Zweifel G.s, ob ihre eigenen Defizite im Hinblick auf die Ereignisse nicht bedeutungslos sind.

Elisabeth Schäfer

XVI. Weil Mann und Frau Fremd sind.

1.

Claudias 6. Geburtstag wird zu einem anstrengenden, aber erfüllten Tag, der Gabriele an ihre eigene Kindheit erinnert. Gabriele scheint sich mit ihrer familiären Situation abgefunden zu haben.

2.

Gabriele macht sich immer mehr Sorgen, daß die Kinder älter werden und weniger geschützt werden können. Die Beziehung zu Jörg wird alltäglicher, die Zärtlichkeit geht verloren, die Sexualität stumpft ab. Auch die politische Konstellation wird schwieriger und es fällt Gabriele schwer, ruhig zu bleiben.

3.

Von Ludwig, einem früheren Kollegen des Hessischen Rundfunks, erhält sie das Angebot, mit ihm auf eine Weltreise zu gehen, einen Film zu drehen.

4.

Gabriele ist durchaus nicht abgeneigt, auf Ludwigs Angebot einzugehen. Sie beschäftigt sich mit der Reiseroute, schreibt Internate an, holt Prospekte. Erst als ihr Vater im Sterben liegt, schreibt sie ihre endgültige Absage.

5.

Das Begräbnis verläuft schlicht, es gibt kaum jemanden, der zu benachrichtigen wäre.

6.

Die Wohnung des Vaters ist verwahrlost, an wertvollen Gegenständen, nach denen Ulrike sucht, gibt es kaum etwas. Für Gabriele bleibt der Brief ihres Onkels Paul aus Petersburg vom Dezember 1904, den sie Renate weitergibt.

Aus dem Arbeitstagebuch

Seit Mitte der 60er Jahre beginnt eine außerparlamentarische Protestbewegungen durch Demonstrationen auf sich aufmerksam zu machen. Einer der wesentlichen Konfliktpunkte ist die amerikanische Vietnampolitik.
Im Februar 1966 demonstrieren 2500 Menschen gegen den Vietnamkrieg; von einer Gruppe wurden mehrere Farbeier auf das Amerika-Haus geschleudert. Renate ist unter den Demonstranten, von ihrer Mutter wird sie dabei unterstützt, während Jörg, der Manipulationen und den Falschmeldungen der Springer-Pesse offensichtlich folgend, ihr Vorwürfe macht, sie und auch Gabriele schlägt. Eine verbale Auseinandersetzung zwischen den Ehepartnern findet danach nicht mehr statt.

Anette Bohn

XVII. Wir haben geglaubt, es käme auf uns an

1968

1.

Mutter und Renate gehen an der Havel spazieren; Renate hat das Abitur nicht bestanden. Sie laufen schweigend nebeneinander her, Mutter sucht nach Worten und sie spielt den Dialog, den sie führen könnten, in ihren Gedanken durch.
Renate fragt sich wozu sie eigentlich da ist, sie fragt nach dem Sinn des Lebens; außerdem kritisiert sie den Lebensstil ihrer Mutter (-> daß sie nichts aus sich gemacht hat, da sie Starjornalistin hätte werden können -> warum ist sie es nicht geworden?).
Gabriele hat die selben Gedankengänge wie ihre Tochter, kann es ihr jedoch nicht sagen, sie sagt nur: "Komm, gehen wir weiter, wir erkälten uns noch."

2.

Der Studentenführer Rudi Dutschke wurde erschossen; am Gründonnerstag gibt es Demonstrationen, Renate ist auch dabei. Die Bevölkerung wird gegen die Studenten aufgewiegelt.

3.

Ludwigs Reiseberichte werden als Serie im Rundfunk gesendet.

4.

Renate wiederholt ihr Abitur.
Die Osterunruhen greifen auf die Universitäten über, es kommt zu Massendemonstrationen und Zusammenstößen (Renate ist dabei). Jörg kann es nicht verstehen, warum die Nachkriegsjugend demonstriert, da es ihr viel besser geht wie ihnen damals. Gabriele wird zur Protestkundgebung nach Frankfurt gerufen: dort sammelt sie Interviews, Reden und nimmt Gespräche auf: Trauer, Hilflosigkeit, die unbeschreiblich sind.
Verabschiedung der Notstandsgesetze.

5.

Der Vater von Jörg ist gestorben (Vogelopa), was Claudia sehr getroffen hat.
Jörg führt zum ersten Mal ein offenes Gespräch mit Gabriele, jedoch unter Alkoholeinfluß:
Er spricht über seine Kindheit und Jugend:
· Einzelkind
· Direktorenhaushalt
· Angepaßtsein an die Hitlerjugend
Er erzählt auch, daß er alle Wünsche seiner Eltern erfüllt hat, außer den, daß er Offizier in der Wehrmacht werden soll, schlägt er ihnen ab.
Jörg und Gabriele haben geglaubt es käme auf ihre Generation an, was aber falsch war, da sie sich an die Demokratie der Älteren gewöhnen mußten.
Als Gabriele die Zeit Revue passieren läßt, merkt sie, daß Jörg recht hat mit dem was er sagt -> Illussionsverlust: "Wir haben uns was vorgelogen. Wir haben versucht Ich zu sagen. Ich und Du."

6.

21. August 1968: Panzerkolonnen der Warschauer Paktstaaten rollen auf Prag zu.
"Gabriele notiert: Permanenter Weltkrieg seit 1945. Unsere Not: Ganz ohne Erwartung sein. Und das nicht zugeben dürfen."

Diana Schüfer

XVIII. Ausmessen, was bleibt.

1969

1.

Die alte Freundin Gisela, mittlerweile eine erfolgreiche Bühnenbildnerin und Künstlerin in New York, kommt nach Berlin, um für eine Operninszenierung zu arbeiten und eine eigene Ausstellung zu eröffnen. Für Gabriele eine neue und vornehme Welt, deren Preis jedoch sehr hoch ist: der Erfolg ist mit Einsamkeit erkauft.

2.

Renate hat das Abitur im zweiten Anlauf bestanden. Als Anerkennung plant Gabriele eine Reise nach Prag, gemeinsam mit Jörg, Claudia und Gisela. Gleichzeitig ist ein Treffen mit den Freunden Ruth und Johannes aus der DDR geplant. Für Gabriele hat die Reise auch einen beruflichen Grund. Sie bereitet eine historische Sendereihe über "Prag als Zufluchtsort der Berliner in de Befreiungskriegen" (S.320) vor, will aber auch über das Leben in der Stadt nach dem Ende des Reformkurses berichten.

3.

Die Anreise ist kompliziert, mit Wartezeiten an den Grenzen und genauen Zeitplänen für die Durchquerung der DDR verbunden. Trotzdem will vor allem Gisela einen Zwischenaufenthalt in Dresden einlegen, um die Orte aufzusuchen, die sie über zwanzig Jahre nicht sehen konnte. Auch in Prag taucht sie wieder in ihre Jugendzeit ein. Sie spricht tschechisch, weil ihr Vater in der Zeit des Dritten Reiches häufig Geschäfte mit dem "Protektorat Böhmen" gemacht hat.
Renate sucht nach dem Ort, an dem sich der Student Jan Palach am 16. Januar 1969 aus Protest gegen die sowjetische Besetzung auf dem Wenzelsplatz verbrannt hat. Erstmals ist es seitdem wieder zu großen öffentlichen Demonstrationen gegen die Besatzungsmacht gekommen, so dass die Prager Polizei eingesetzt wird, um mögliche Unruhen von Anfang an zu verhindern. Als Renate eine Münze an dieser Stelle niederlegen will, wird sie von einem Beamten zum Weitergehen aufgefordert.

4.

Bei einem ausgiebigen Abendessen kommen die unterschiedlichen Auffassungen der Freunde über die Vergangenheit und gegenwärtige Zustände zum Vorschein: Gisela lebt noch von ihren Erinnerungen aus den 30er Jahren, der Sozialismus erscheint ihr nicht lebenswert. Johannes hat sich in der DDR eingerichtet, während Jörg von der "harten Währung" spricht, mit der Westtouristen in Prag alle Waren erhalten, die den Tschechen unerreichbar sind. Renate identifiziert sich mit Jan Palach, dessen Todesort sie trotz der Proteste ihres Vaters immer wieder aufsucht. Die entstehenden Aggressionen und Spannungen werden nur notdürftig unterdrückt.

5.

Der Aufenthalt in Prag verbindet sich für Gabriele mit den Verbrechen der deutschen Besatzungspolitik in der Zeit des Dritten Reichs, die durch Orte wie Theresienstadt und Lidice angedeutet werden. Fotos von Johannes, Ruth und Gisela zeigen im Nachhinein, dass wenig an Gemeinsamkeit über die Jahre gerettet worden ist: "Auf dem Foto wird erkennbar, was sie sich alle nicht haben zugeben wollen." (S.330)

Simon Lipfert

XIX. Sich rechtfertigen - vor wem? Sich anklagen - vor wem?

1971

1.

Claudia hat Geburtstag. Dabei wird deutlich, dass sie sich anders entwickelt als Renate. Gabriele kann sich nicht darüber freuen.

2.

Gabriele merkt, wie die Zeit vergangen ist; sie verliert langsam die Mutterrolle, und da dies ihre Aufgabe war hat sie Angst.

3.

Renate zieht aus, ohne Adresse oder sonst etwas zu hinterlassen. Man sieht den Zerfall der Familie.

4.

Es kommt keine Nachricht von Renate. Aber Gabrieles Schwester schreibt, dass sie sich scheiden lässt. Und ihr Kollege Ludwig teilt ihr mit, dass er an Sylvester in Berlin sein wird.

5.

Jörg gibt die Schuld an Renates Auszug Gabriele: "Du hast ihr das beigebracht mit der Freiheit." Dies stimmt. Schon Gabriele wollte nicht nur ein Leben als Hausfrau führen, sondern ihre Träume leben. In dieser Hinsicht hat sie aber versagt. Auch Renate will nicht diesen Kreislauf, den nun schon ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter durchgemacht haben, erleben.

6.

Ludwig erschießt sich. Gabriele kann vor lauter eigenen Sorgen nicht richtig um ihn trauern.

7.

Renate wird 21 Jahre alt und damit volljährig. Sie hat sich seit ihrem Auszug immer noch nicht gemeldet, was für ihre Mutter Gabriele sehr schwer ist, da sie niemanden zum Reden hat.

8.

Auf einer Demonstration sieht Gabriele Renate. Diese teilt ihr nur ungern ihre neue Adresse mit.

9.

Claudia freut sich am meisten über das "Lebenszeichen" von Renate. Jörg zeigt keine Gefühle. Es kommt zu einem Konflikt zwischen Claudia und Jörg, als sie ihn über sein Verhältnis zu den Nazis fragt. Er hat Schwierigkeiten, sein damaliges Verhalten zu erklären und schiebt die Schuld auf Gabriele.

10.

Gabriele besucht Renate in der WG. Beide sprechen kaum miteinander.

11.

An den Besuch bei Renate hat Gabriele gemerkt, dass sie nicht fähig ist, sich Renate richtig mitzuteilen. Sie merkt, dass Renate ihre Lebensweise in Frage stellt.

12.

Renate zieht erneut um ohne ihre neue Adresse mitzuteilen.

13.

Bei einer Versammlung, über die Gabriele berichten will, hält Renate ein Referat. Trotzdem kommt es zu keinem Gespräch zwischen Gabriele und Renate.

Katja Grüdl

XX. Als sähe sie in einen Spiegel

Gabriele bekommt als Reporterin den Auftrag einen Untersuchungshäftling in der Untersuchungshaftanstalt Moabit zu interviewen, der einen Selbstmordversuch begangen hatte. Sie arbeitet nicht mehr so häufig nach Jörgs Herzanfall, da er jetzt mehr Ruhe braucht.
Im Warteraum der Haftanstalt trifft sie ihre Tochter Renate. Gabriele geht zu dem Gefangenen. Der Häftling versucht in dem zwanzigminütigen Gespräch möglichst viel über sich und das Leben in der Untersuchungshaft zu erzählen. Gabriele wartet vor der Anstalt auf Renate. Sie kommt, beide gehen in das Restaurant gegenüber und trinken Bier. Berührungsängste begleiten das Gespräch. Konfrontation zwischen Renate und Gabriele über die politische Situation und soziale Ereignisse. Renate hat Joe besucht. Sie sind ein Paar. Joe hat sich offenbar einer militanten Gruppe angeschlossen, Gabriele fragt Renate ob sie zu Claudias Hochzeit kommen will, vielleicht als Trauzeugin, Renate verneint, kommt später ins Krankenhaus in den Besucherraum der Entbindungsstation um Claudias Kind zu sehen.
Am Ende des Romans gibt es verschiedene Abschlußmöglichkeiten, aus denen der Leser auswählen kann.

Stephan Kofink